10.000 Blütenteppich

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6. März 2014

10.000 Blütenteppich in Espelkamp

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Vernissage bei Tönsmann zur Ausstellungseröffnung des 10.000 Blütenteppichs
Exponat erzählt unzählige verschiedene Geschichten

Espelkamp (WB). Unglaublich vielfältig und deswegen so einzigartig: Das ist der 10.000 Blütenteppich, der zur Zeit im Teppichhaus Tönsmann zu bewundern ist. 10 000 Menschen aus vier Generationen und vierzehn Nationen haben daran mitgewirkt. Die Ausstellung, die noch bis zum 15. April geöffnet ist und in der nicht nur der 14 Meter lange Teppich, sondern auch Dokumente seiner Entstehungsgeschichte zu sehen sind, wurde am Dienstag mit einer Vernissage eröffnet.

Ruth Fiedler vom Fachverband Textilunterricht Berlin, der das Projekt gemeinsam mit der Künstlerin Ursel Arndt entwickelt und umgesetzt hat, stellte das einmalige Textil-Kunstwerk vor. »Unser Ziel war es, für unseren Fachverband und für den Textilunterricht an Schulen zu werben«, erklärte sie. Die Idee: 10 000 Menschen sollten 10.000 Blüten für einen großen Teppich machen. »Unser geschichtliches Vorbild waren die Millefiori (1000 Blüten)-Teppiche des Mittelalters. Tegininamond Aber wir haben uns gedacht: Das wollen wir noch einmal toppen.« Insgesamt 11 000 Postkarten habe man verschickt, um für die Aktion zu werben. Die Resonanz sei überwältigend gewesen. Schon bald seien die ersten Blüten eingetroffen – eingesandt von Einzelpersonen oder ganzen Gruppen, handgearbeitet in ganz unterschiedlichen Techniken. Aber auch industriell gefertigte Blüten seien eingesandt worden: »Es stellte sich heraus, dass diese Blumen Beilagen von Zigarettenpackungen der 1920er/1930er Jahre waren, die in den Familie aufbewahrt und weitergegeben wurden.« So stehe hinter jeder Blüte eine Geschichte – auch das mache die Einzigartigkeit dieses Teppichs aus. »Ich entdecke immer noch etwas Neues «, sagte Ruth Fiedler, »und es kommen auch immer noch Blüten hinzu, die bisher noch nicht vertreten waren.«

[blockquote]Unser Ziel war es, für unseren Fachverband und für den Textilunterricht an Schulen zu werben[/blockquote]Teppiche seien textile Vehikel, erläuterte Dr. Bärbel Schmidt, Professorin für Textilwissenschaften an der Universität Osnabrück. Zu einer Zeit, als die Erfindung der Drucktechnik noch in den Kinderschuhen steckte, hätten Teppiche bereits über politische und kulturelle Grenzen hinweg Bilder in Umlauf gebracht. »Im Gegensatz zu den klassischen Teppichen transportiert der 10.000 Blütenteppich allerdings keine Bilder, sondern textile Kulturtechniken. « Seit mehr als zehn Jahren bereise der stetig wachsende Teppich als »textiles Automobil« das In-und Ausland, rege dazu an, sich mit textilem Handwerken zu beschäftigen und kläre auch darüber auf, wie es mit dem Textilunterricht an Schulen bestellt ist. »Aber kein anderer Ort ist als Ausstellungsort so geeignet wie ein Teppichmuseum, wo Zeugnisse der Kulturgeschichte der Menschheit bewahrt und gezeigt werden«, sagte Schmidt.

Juniorchefin Anne Tönsmann bestätigte, dass Blumen- und Blütenteppiche eine lange Tradition hätten und bis heute Knüpfer inspirierten. Mit einer geknüpften Blüte aus einem Seidenteppich mit 800.oo0 Knoten pro Quadratmeter ließ sie den 10.000 Blütenteppich dann noch um eine weitere Blüte wachsen – eine neue kleine Kostbarkeit unter all den gehäkelten, gestrickten, gewobenen, geklöppelten, gewickelten und genähten bunten Blüten.[/column]