Neues Wahrzeichen setzt viele Signale

Heliochronometer vor dem Teppichmuseum Tönsmann eingeweiht

VON RALF KAPRIES
heliochronometer

Espelkamp. Die Stadt hat ein neues Wahrzeichen bekommen. Wer sich Espelkamp aus nördlicher Richtung nähert, wird von einer schräg stehenden Säule aus Edelstahl begrüßt, die auf das einzige Teppichmuseum im norddeutschen Raum hinweist. Aber das ist längst noch nicht alles.

Was auf den ersten Blick an „einstürzende Neubauten“ erinnert – die 7,3 Meter lange Konstruktion erreicht wegen ihrer Schrägstellung „nur“ eine Höhe von fünf Metern über dem Boden – ist in Wirklichkeit ein Heliochronometer. So lautet das komplizierte Wort für Sonnenuhr, oder wie Konstrukteur Friedrich Sander schlicht meinte: „Ein Schönwetteranzeiger“.

Am Donnerstag, dem Einweihungstag, zeigte sich die Sonne nur wenig, dafür aber höchst effektvoll. Just um 11.30 Uhr trat sie für kurze Zeit hinter den Wolken hervor. Auch Sander strahlte, denn so konnte er noch die Markierung für die Sommersonnenwende anbringen, die in Zukunft Jahr für Jahr genau dieses Ereignis anzeigen wird. „Sein“ Heliochronometer ist der erste in Espelkamp und zugleich der 13. im Kreisgebiet – und wohl auch der größte.

Auf der Scheibe der Sonnenuhr wird nicht nur die „wahre Ortszeit 12 Uhr Mittag“ durch das Wappen der Stadt Espelkamp hervorgehoben, sondern anhand der Geschichte der Astronomie auf viele interessante Dokumentationen und Lebensphilosophien hingewiesen. Sie weist damit weit über die aktuelle Zeit hinaus und gewinnt als „Denkmal“ eine geschichtliche Bedeutung.

Weniger als Denkmal denn als „Anstoß zum Denk-einmal“ will Bauherr und Firmengründer Jürgen Tönsmann seine Stiftung verstanden wissen. Schon lange ist er mehr als Händler dekorativer Textilien. Cantus catholici Mit seinen Teppichen verbindet ihn und seine Familie eine ganze Lebensphilosophie.

Das verknüpfen von Fäden zu einem Teppich sieht er auch im übertragenen Sinn als Vernüpfen von menschlichen Schicksalen, von geschichtlichen Ereignissen, von Gedanken und Traditionen.

Im Laufe seiner vielen Reisen rund um die Welt sind ihm dabei besonders die geschichtlichen Zusammenhänge bewusst geworden und hier besonders die Zeit um 500 v. Chr. mit ihren kulturellen und weltgeschichtlich bahnbrechenden Ereignissen, die beispielhaft auf der Stele wiederzufinden sind.

Und wer weiß schon, dass die erste Erwähnung Espelkamps 1229 war, immerhin sieben Jahre vor Berlin?

Tönsmann ist es ein besonderes Anliegen, den Blick der Besucher auf die wechselseitige Einflussnahme der Länder des Orients und des Okzidents zu lenken. Viele Ereignisse, ob auf wirtschaftlicher, ökologischer oder sozialer Ebene lassen sich nicht nur innerhalb nationaler Grenzen verknüpfen.

Die neue Stele hat also mehr zu bieten als Wetter, Zeit, astronomische Konstellationen und geschichtliche Zusammenhänge. Wer Lust hat, sich dies einmal genauer erläutern zu lassen, kann dies am 30. Juni und 4. Juli, jeweils um 15 Uhr bei einer Sonderführung tun. Anmeldungen sind unter Tel. (0 57 72) 4004 möglich.