Bangen um Knüpferfamilien in Nepal

Dharahara
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Wenn Sie den Menschen in Nepal helfen wollen, besteht die Möglichkeit eine Spende zu überweisen auf das
Volksbank-Konto: Jürgen Tönsmann
IBAN: DE 61 490 926 50 27 03 13 92 03
Verwendungszweck: „Erdbebenhilfe Nepal“
Anne und Jürgen Tönsmann garantieren persönlich dafür, dass die Gelder zu 100%, ohne jeden Abzug für Verwaltungsarbeit, über unser Büro in Kathmandu direkt bei den Erdbebenopfern ankommen (vorwiegend bei Personen, die uns bekannt sind, insbesondere bei unseren Teppichknüpferfamilien).

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Teppich Tönsmann steht in engem Kontakt zu Partnern in Kathmandu – Aufruf zu Hilfe

E s p e l k a m p (WB). Anne Tönsmann ist die Sorge der vergangenen Tage deutlich anzumerken. Mit ihr zusammen bangt die ganze Belegschaft des Espelkamper Teppichhauses Tönsmann um »ihre« Knüpferfamilien im vom Erdbeben betroffenen Nepal:
»Noch bevor die Nachricht durch die Medien ging, kam ein Anruf von unserem Betreuer in Kathmandu, Sangay Singh. Er sagte nur: ›Ich lebe noch‹ und legte wieder auf.«

Beim Erdbeben in Kathmandu sind viele Bauten zerstört worden, die zum Weltkulturerbe zählen. Das Teppichhaus Tönsmann pflegt seit mehr als 50 Jahren Beziehungen dorthin und bangt um zahlreiche Bekannte. Einer sandte dieses aktuelle Bild. Photo: Raj Shrestha

Beim Erdbeben in Kathmandu sind viele Bauten zerstört worden, die zum Weltkulturerbe zählen. Das Teppichhaus Tönsmann pflegt seit mehr als 50 Jahren Beziehungen dorthin und bangt um zahlreiche Bekannte. Einer sandte dieses aktuelle Bild. Photo: Raj Shrestha

Da das Ausmaß der Katastrophe erst langsam deutlich wurde, stieg die Sorge bei Tönsmann um die vielen guten Bekannten in Nepal. »Inzwischen ist klar, dass Sangay und seine Familie zum Glück unversehrt sind«, sagt Anne Tönsmann. »Doch wir wissen nicht von allen für uns tätigen Knüpferfamilien, die verstreut im Kathmandu-Tal leben, wie es ihnen ergangen ist. Speziell um Tzering und Tensing Yankee aus einer Exil-Tibeter-Familie machen wir uns große Sorgen. Von ihnen gibt es noch keinerlei Nachricht.« Wie sich während des Gesprächs mit der Geschäftsführerin des Teppichhauses herausstellt, hat Sangay Singh seit gestern wieder Strom und Zugang zum Internet. Denn er ruft in diesem Augenblick aus dem stark zerstörten Kathmandu an. In sehr gutem Deutsch berichtet er Anne Tönsmann, dass er sechs Nachbarn bei sich im Haus aufgenommen hat.

Anne Tönsmann erklärt, dass Singh sich durch die Zusammenarbeit mit den Deutschen in den Mittelstand hochgearbeitet habe und ein erdbebensicheres Haus bauen konnte. Das hat ihm und seiner Familie womöglich das Leben gerettet. Nur wenige 100 Meter entfernt sei ein mehrstöckiges Haus komplett in sich zusammengebrochen, wobei etwa 40 Menschen gestorben seien. Am Telefon erfährt sie außerdem, dass Sangay Singh und die Nachbarn beginnen, reihum Wache zu halten, weil erste Plünderungen bekannt geworden sind. »Wasser und Lebensmittel haben wir, wenn wir sparsam sind, noch für etwa einen Monat«, sagt Singh vom anderen Ende der Welt. Anne Tönsmann fragt ihn, ob sie irgendetwas für ihn tun kann, aber sie kennt die Antwort selbst: »Vielen Dank. Aber ihr könnt nichts tun.« An dem Gespräch ist zu spüren, wie sehr den Bekannten die Situation belastet.
Anne Tönsmann berichtet, dass er ihr zuvor erzählt habe, wie er das Beben erlebt hat: »Sangay hat im Wohnzimmer gesessen und Fernsehen geschaut. Seine Frau war schon zu Bett gegangen. Als das Beben anfing, ist er zu ihr gelaufen. Beide haben sich fest an den Händen gehalten. Trotzdem sind sie durch die starken Erdstöße auseinandergeworfen worden.« Von den Erschütterungen sind viele Bauten in der nepalesischen Hauptstadt betroffen, die zum Weltkulturerbe zählen. Anne Tönsmann, die vor etwa drei Jahren zuletzt mit ihrem Vater die Stadt besuchte, sagt spürbar betroffen: »Ich war da überall. Kathmandu ist wie ein lebendes Museum.«

Anne und Jürgen Tönsmann haben vor Jahren die Vorschule Hasilo Tara in Kathmandu besucht, die sie regelmäßig unterstützen. Bei dem Erdbeben hat sie Schaden unbekannten Ausmaßes genommen.

Anne und Jürgen Tönsmann haben vor Jahren die Vorschule Hasilo Tara
in Kathmandu besucht, die sie regelmäßig unterstützen. Bei dem
Erdbeben hat sie Schaden unbekannten Ausmaßes genommen.

Dass sie, ihr Vater Jürgen und die gesamte Belegschaft so großen Anteil an dem Wohlergehen der nepalesischen Familien nehmen, kommt nicht von ungefähr. Jürgen Tönsmann hat schon seit den 60-er Jahren über den Teppichhandel den persönlichen Kontakt in den Himalaja-Staat. Viele Nepalesen und Exil-Tibeter haben Espelkamp schon besucht und die Firma kennengelernt. »Seit Jahren unterstützen wir eine Vorschule und den Kindergarten Hasilo Tara in Kathmandu. Wir wissen, dass die Einrichtungen Schaden genommen haben, aber nicht wie schwer.« Laut Sangay Singh sind die Schäden zu 80 Prozent in den Dörfern im Tal rund um Kathmandu zu verzeichnen und nur ein Fünftel in der Stadt selbst. Zu den guten Bekannten der Tönsmanns in Nepal gehört auch Purna Shakya, der für Auftragsabwicklung und zentrale Koordination zuständig ist. Auch von ihm wissen die Espelkamper, dass seine Familie wohlauf ist. Er vermittelt die Aufträge zu mehreren Familien im Kathmandu-Tal. Manche sind Nepalesen, andere Exil-Tibeter. Die Zahl der Großfamilien, mit denen das Haus zusammenarbeitet, schwankt zwischen 10 und 30, zu denen jeweils 60 bis 80 Personen zählen.

Nicht nur die Mitarbeiter sondern auch einige Kunden von Tönsmann wollen wissen, wie es den Knüpferfamilien geht. Denn alle nepalesischen Woll- und Seiden-Teppiche sind reines Handwerk und keine Massenware. »Es ist bei uns üblich, dass Auftraggeber, für die Teppiche individuell angefertigt werden, Fotos zugeschickt bekommen, auf denen sie sehen können, wie in den Familien an ihrem zukünftigen Schmuckstück gearbeitet wird. Manche lassen sich diese Bilder sogar rahmen«, sagt die Fachfrau. An erster Stelle steht für sie, dass den Menschen geholfen wird. »Im Augenblick können wir leider nur wenig tun. Aber immerhin können wir Spenden, die wir bei unseren kostenlosen Führungen im Teppichmuseum sammeln, jetzt an unseren Bekannten Purna Shakya überweisen. Wir vertrauen absolut auf ihn, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie benötigt wird.« Wer ebenfalls helfen möchte möchte, kann sich an das Teppichhaus Tönsmann, General-Bishop-Straße 23, in Espelkamp, Telefon 0 57 72/40 06, wenden. »Da wir aber keine Spendenquittungen ausstellen können, müssen uns die Unterstützer vertrauen, wie wir Purna Shakya vertrauen«, sagt Anne Tönsmann.

Quelle: Westfalen-Blatt