[column size=“col-7″ first_column=“true“]

Eine beeindruckende Persönlichkeit

Jürgen Tönsmann berichtet über seine Begegnung mit Albert Schweitzer im Jahr 1964

Espelkamp (WB). Vor mehr als 45 Jahren hat Jürgen Tönsmann, heute Teppich-Unternehmer aus Espelkamp, den Theologen, Organisten, Musikforscher, Philosophen und Arzt Albert Schweitzer im afrikanischen Lambarene getroffen. Anlässlich des neuen Films über Schweitzer, der in Deutschland angelaufen ist, berichtet Tönsmann von dieser Begegnung. Seit fast zwei Jahren war der damals 24-Jährige 1964 bereits allein mit dem Motorrad quer durch die Sahara bis nach Zentralafrika, Gabun, Kongo und Angola unterwegs. »Es war eine Zeit großer Unruhe. Die Kongo-Krise war im vollen Gange. Nigeria stand die Biafra-Krise kurz bevor« erinnert sich Jürgen Tönsmann. »Millionen Menschen wurden dort damals getötet.« Im November 1964, während der Regenzeit in Äquatorial-Afrika, waren die Pisten mit einem Motorrad nur sehr schwer zu befahren. Häufig stürzte Tönsmann mit seinem schwer beladenen Motorrad, und zog sich immer wieder unter dem heißen Auspuff erhebliche Verbrennungen zu, die sich entzündeten. »

Ich war außerdem an Malaria und Gelbsucht erkrankt und die Medikamente gingen zur Neige. Im November 1964 bin ich dann im Urwaldhospital von Dr. Albert Schweitzer in Lambarene angekommen, um fehlende Medikamente zu beschaffen «, erklärt Jürgen Tönsmann das erste Zusammentreffen mit Albert Schweitzer. Seinerzeit sei Dr. Schweitzer berühmter gewesen als John F. Kennedy . Einstein habe ihn als den Mann des Jahrhunderts bezeichnet und 1952 erhielt Schweitzer den Friedensnobelpreis. »Dr. Schweitzer war noch im Alter von fast 90 Jahren eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich erinnere mich deutlich an die Essen mit ihm im Speisesaal des Hospitals«, berichtet Tönsmann. »Und es war ein großes Erlebnis, wenn Albert Schweitzer im Speisesaal Bach spielte.« Mehrere Gespräche führte der Espelkamper Unternehmer mit Albert Schweitzer. Dieser zeigte sich erstaunt und beeindruckt davon, dass jemand auf dem Landweg mit einem Motorrad von Deutschland nach Lambarene gefahren war. An eine Bemerkung Schweitzers erinnert sich Tönsmann ganz besonders. Schweitzer habe gemeint, die jungen Leute in den 60-er Jahren hätten viel mehr Möglichkeiten hatten als er er selbst zu Zeit. »Ich war dagegen überzeugt dass Schweitzer zu seiner Zeit viel mehr Spielraum gehabt hatte, als Afrika noch ›jungfräulich‹ war. Wir konnten uns nicht einigen.« Heute steht für Tönsmann fest: »Entscheidend ist, durch welche Brille man Situationen betrachtet und wie man sie gestaltet.« Das Kurzzeitgedächtnis des fast 90-jährigen Schweitzer beeindruckte Jürgen Tönsmann: »Bei meinem zweiten Besuch, Wochen später, hat er sich noch an Details unseres ersten Gespräches erinnert und gezielte Fragen betreffend meiner Familie gestellt.« Albert Schweitzer lud den Espelkamper ein, das Weihnachtsfest sowie seinen 90. Geburtstag am 14. Januar mit ihm in Lambarene zu feiern. Doch eine schwere Krankheit seiner Mutter ließ Tönsmann die Einladung ablehnen. Die Regenzeit in Zentralafrika neigte sich dem Ende zu, und der junge Mann machte sich auf den Rückweg nach Deutschland. Nur drei Tage nach dem Verlassen Lambarenes überschlug er sich mit dem Motorrad auf verschlammter Piste und zog sich einen dreifachen Bruch des linken Arms zu. Die nächste Stadt, in der er behandelt werden konnte, war 400 Kilometer entfernt. »Mit einem mit Stöcken provisorisch geschienten Arm machte ich mich auf den Weg in den Kamerun. Gegen die Schmerzen spritzte ich mir selbst Morphium.« In Yaounde, der Hauptstadt des Kamerun, wurde der Arm medizinisch versorgt und der Verletzte reiste auf dem Seeweg zurück nach Deutschland. In Casablanca ging er noch seiner Leidenschaft für Teppiche nach und kaufte einige Berber-Teppiche ein. Sie waren der Grundstein des bis heute erfolgreichen Fachgeschäfts für Teppiche »Teppich Tönsmann« in Espelkamp. »Kurz vor Heiligabend 1964 bin ich wieder in der Heimat in Deutschland eingetroffen. In der Folge habe ich noch einige Briefe von Albert Schweitzer erhalten bis dieser im September 1965 in Lambarene starb«, sagt Tönsmann. Albert Schweitzer war auch mit Nathan Söderblom, dem Namensgeber des Espelkamper Gymnasiums befreundet. [/column] [column size=“col-5″ last_column=“true“]

Albert-Schweizer mit Jürgen Tönsmann

Fast 90 Jahre war Albert Schweitzer alt, als dieses Foto mit dem damals 24-jährigen Tönsmann in Lambarene entstand. FOTOS: TÖNSMANN

 

[/column]