Kunstvoll geknüpfte Bilder-Teppiche

Logo - Westfalen-Blatt

24 Januar 2012

[column size=“col-8″ first_column=“true“]

Kunstvoll geknüpfte Kuriositäten

Ausstellung von Bilderteppichen im Berber-Haus Tönsmann eröffnet

Von Arndt Hoppe

Espelkamp (WB). Die Kunst des Teppichknüpfens ist so alt wie die Geschichten, die sich um die edlen Handarbeiten ranken. Geschichten besonderer Art stecken hinter den zahlreichen Exponaten, die seit gestern bei Berber Tönsmann zu bewundern sind. »Es sind die Kuriositäten, die mich besonders reizen«, sagte Sammler Thomas Frick,

Gemeinsam mit den Hausherren, Jürgen Tönsmann und dessen Tochter Anne, begrüßte Frick am Sonntag mehr als 50 Besucher zur Eröffnung. Sie wollten die raren Stücke sehen, die noch bis zum 22. April in dem Espelkamper Teppichhaus präsentiert werden. Zu den Gästen zählten unter anderem auch Bürgermeister Heinrich Vieker und die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Viel Interessantes wusste Frick zur Herkunft und Entstehung jedes einzelnen Stücks zu berichten.

Einige von ihnen sind prächtigen Werke aus Seide und feinster Wolle, andere sind dagegen eher rustikal gearbeitete Stücke. Gemeinsam ist den ausgestellten Kunstwerken, dass es sich nicht um Exemplare mit typischen Ornamenten und Mustern handelt, sondern um Bildteppiche mit außergewöhnlichen Motiven. Und erade diese reizen den Verkaufsund Kommunikationstrainer Frick. »Ich habe mich 1978 mit dem Teppich-Virus infiziert«, erklärte er den Besuchern den Beginn seiner Sammelleidenschaft. Ausgangspunkt war ein sehr fein gearbeiteter Teppich aus dem persischen Isfahan, der etwa in der Zeit des Jugendstils entstand und eine liegende Schönheit zeigt. »Allein für die Ausgestaltung der Lippen hat der Knüpfende sechs verschiedene Farben verwendet.« Je mehr Farbwechsel es im Motiv gebe, desto aufwendiger sei die Arbeit. »Die reine Knüpfzeit für diesen Teppich muss bei 14 Monaten gelegen haben. «

Frick legte sich in der Folgenicht fest auf eine bestimmte erkunft oder Epoche, sondern suchte das Kuriose. So gehört zur Ausstellung zum Beispiel ein geknüpftes Portrait des ehemaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. »Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um eine Auftragsarbeit gehandelt hat. Rairivastfiso Vielleicht für einen Besucher aus den USA, vielleicht als Gastgeschenk bei einer Reise«, sagte Frick. Häufig könne man sich der Geschichte hinter den Kunstwerk nur annähern.

Viele Stücke der Ausstellung seien ursprünglich nicht unbedingt zum Verkauf gedacht sondern von den Knüpferinnen für den eigenen Bedarf geknüpft worden, aus Restwolle, die ihnen zur Verfügung gestellt worden sei. So sei zu erklären, dass manchmal Motive zu sehen sind, die nicht üblich seien. So zum Beispiel Frauen in Spaghettiträger- Kleidern oder ein sich küssendes Liebespaar. »Oft haben die einfachen Leute auch Motive aufgegriffen, die nicht klassisch waren, sondern ihnen im Alltag begegneten, vielleicht sogar im Fernsehen.«

[blockquote]»Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um eine Auftragsarbeit gehandelt hat. Rairivastfiso Vielleicht für einen Besucher aus den USA, vielleicht als Gastgeschenk bei einer Reise«, sagte Frick.[/blockquote]

Beispielsweise sind auf einigen Exponaten Personen zu sehen, die wie Filmstars aussehen und auf anderen amerikanische Straßenkreuzer. Befremdlich wirken die so genannten Kriegsteppiche. »Von diesen sind in den 70-er und 80-er Jahren schätzungsweise 1000 Stück geknüpft worden. In dieser Zeit des Einmarschs der Russen in Afghanistan haben Jugendliche die Dinge auf den Teppichen verewigt, die sie beschäftigt haben: Panzer, Kalaschnikows und Jagdbomber «, weiß Thomas Frick. Die jüngste Neuerwerbung des Sammlers ist ein kleines geknüpftes Heiligenbild. »Es ist im türkischen Hereke mit Seide auf Seide gefertigt und hat eine Knüpfdichte von 1,4 Millionen Knoten.« Obwohl er nur etwa so groß ist, wie ein DIN-A3-Blatt, schätzt Frick, dass er 42 Tage reine Arbeitszeit gekostet hat.

Was die Knüpfdichte angeht, kann allerdings das Teppichhaus Tönsmann ein Superlativ entgegensetzen: »Wir haben einen Teppich mit der weltweit höchsten Knotenzahl von 10 Millionen pro Quadratmeter«, sagt Jürgen Tönsmann. Teppiche dieser Knüpfdichte gebe es nur drei auf der Welt.»Wir präsentieren ihn nur zu besondern Anlässen, sonst liegt er im Tresor, denn er kostet mehr als150 000 Euro.«[/column]